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  • WOLLI UND DAS KNÄUEL (UA)
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Ver­bun­den durch den ro­ten Fa­den - Gießener Anzeiger
08.09.2018

Lie­be­voll in­sze­nier­tes Stück „Wol­li und das Knäu­el“ für Kin­der ab drei Jah­ren auf der taT-stu­dio­büh­ne

Ein Schaf im Thea­ter: Das gibt es doch nicht? Oder doch? Die­se Fra­ge steht am An­fang der neu­en Schau­spiel­pro­duk­ti­on „Wol­li und das Knäu­el“, die am Frei­tag­mor­gen ih­re Pre­mie­re auf der taT-Stu­dio­büh­ne fei­er­te. Aus die­sem Be­ginn ent­spinnt sich ei­ne lie­be­vol­le, ma­gi­sche Ge­schich­te rund um Wol­le, Ma­gie und Freund­schaft, kon­zi­piert für die jüngs­ten Thea­ter­gän­ger ab drei Jah­ren.

Das Mäd­chen Mel­li (Pau­la Schröt­ter) hat ge­hört, dass ein Schaf ir­gend­wo im Thea­ter sei. Da­her be­gibt sie sich auf die Su­che, un­ter­stützt von den Thea­ter­be­su­chern, die sie schon in Foy­er des taT er­war­te­ten. Ge­schickt bin­det sie die klei­nen Zu­schau­er in die Ge­schich­te ein und führt sie in den Büh­nen­raum. Dort zu se­hen ist ih­re Wir­kungs­stät­te: Im­po­san­te Woll­knäu­el, die teil­wei­se bald ein Ei­gen­le­ben ent­wi­ckeln. Statt ei­nes Schafs fin­det Mel­li zu­nächst al­ler­dings et­wa ganz an­de­res – ei­ne in ein gro­ßes Woll­knäu­el ver­hed­der­te Fee. Und die ge­währt dem Mäd­chen drei Wün­sche. Der er­ste ist ei­ne Flö­te, lei­der kann Mel­li dem In­stru­ment aber kei­ne Mu­sik ent­lo­cken. Da­her wird sog­leich der zwei­te Wunsch fäl­lig: das Er­ler­nen des Flö­ten­spiels. Und sie­he da: Auf ein­mal lässt sich auch das Schaf bli­cken, das al­ler­dings so ge­scho­ren wur­de, dass es friert. Nach et­was Zau­dern op­fert Mel­li da­für ih­ren drit­ten Wunsch – und das Schaf be­kommt den wärm­sten Pull­over der Welt.

Das lie­be­voll ge­stal­te­te Stück ent­stand nach ei­ner Idee von Ro­man Kurtz, Mit­glied des Gie­ße­ner Schau­spie­len­sem­bles, der es auch selbst in­sze­niert. Sei­ne Idee wur­de vom Te­am ge­mein­sam wei­ter­ent­wi­ckelt. Da­bei wird be­wusst mit ein­fa­chen Ele­men­ten ge­ar­bei­tet. Und die Kin­der wer­den in die Hand­lung ein­be­zo­gen, wenn sie et­wa auf­ge­reiht wie Per­len an ei­ner Schur – hin­ter­ein­an­der zur Büh­ne ge­hen, den be­rühmt­en ro­ten Fa­den der Ge­schich­te re­al in den Hän­den hal­tend. Das Stück en­det nicht mit dem neu­en Pull­over für das Schaf, das Tier be­kommt auch sei­nen Na­men: Wol­li. Ins­ge­samt ist es ei­ne run­de In­sze­nie­rung: Der Kreis schließt sich: So wie die Kin­der zur Büh­ne ins Un­ter­ge­schoss ge­hen, so kom­men sie wie­der zu­rück ins ebe­ner­di­ge Foy­er: an­ein­an­der­ge­reiht und durch ei­nen ro­ten Woll­fa­den ver­bun­den. Und na­tür­lich fin­det man im Pro­gramm­heft auch die pas­sen­de Wol­le.

Un­ter­schied­li­che Gen­res

Spie­le­risch wer­den den Kin­dern un­ter­schied­li­che Thea­ter­gen­res vor­ge­führt: Das Schau­spiel, ver­kör­pert von Pau­la Schröt­ter, die per­fekt in die Rol­le der Mel­li passt; das Tanz­thea­ter, denn die gra­zi­le Fee „Fe­li“ wird ver­kör­pert von der aus­druck­star­ken Tän­ze­rin Kat­ha­ri­na Wie­den­hö­fer. Sie bringt das ma­gi­sche Ele­ment ins Spiel, hebt das bis da­hin noch in der rea­len Welt an­ge­sie­del­te Ge­sche­hen auf ei­ne an­de­re Ebe­ne und be­rei­tet den Auf­tritt des Schafs in Pup­pen­ge­stalt vor. Das Schaf wur­de von Pup­pen­spie­ler Ah­mad Na­sir For­mu­li selbst an­fer­tigt. For­mu­li ge­lingt es, dem Tier ei­nen ei­ge­nen Cha­rak­ter zu ver­lei­hen. Durch die Schaf­spup­pe wer­den Ele­men­te des Ka­sperlt­hea­ters in Sze­ne ge­setzt: Al­le se­hen Wol­li, nur die bei­den Pro­ta­go­nis­ten auf der Büh­ne nicht. Ent­spre­chend klar sind die An­wei­sun­gen aus dem Pu­bli­kum. Den wa­chen Kin­der­au­gen ent­geht nichts: So wird auch die Fra­ge laut in den Raum ge­wor­fen: „Was macht der schwar­ze Mann da auf der Büh­ne?“ Er ge­hört zum Schaf, das nach al­ter Pup­pen­spiel­er­ma­nier von ihm ge­führt wird – oh­ne gro­ße tech­ni­sche Tricks. Den Kin­dern und den er­wachs­enen Kin­dern be­rei­tet das ei­ne Men­ge Spaß. So­lan­ge es sol­che Stü­cke und In­sze­nie­run­gen gibt, wird es auch ein Pu­bli­kum da­für ge­ben.

 

Bar­ba­ra Czer­nek, 08.09.2018, Gießener Anzeiger

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