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Absurde Mission im All - Gießener Allgemeine Zeitung
13.04.2018

Als Jules Verne 1870 seinen Roman REISE UM DEN MOND herausgab, sollte es noch rund 100 Jahre dauern, bis tatsächlich ein Mensch seinen Fuß auf den Erdtrabanten setzen sollte. Theaterwissenschaftler Jost von Harleßem greift den Text in seiner Abschlussarbeit und Sprechoper »Autour – Reise um den Mond« auf, die aktuell auf der taT-Studiobühne zu sehen ist. Am Donnerstag war Premiere, weitere Vorstellungen folgen am 21. April, 13. und 25. Mai.

Harleßem, der für Bühne und Text verantwortlich zeichnet, untersucht die Nähe der fantastischen Literatur zur Oper. Im Zentrum des experimentellen Stücks über das verhältnis von Sprache, Fiktion und Musik steht das gesprochene Wort. In der extrem verdichteten Kammeroper werden die drei unfreiwilligen Helden Michael Ardan (Pascal Thomas), Captain Nicholl (Ewa Rataj) und Impey Barbicanne (Lotta Hackbeil) nicht nur in den luftleeren Raum befördert, sondern an die Grenzen ihres Verstandes. Sebsatian Songin ist zusätzlich in mehrere Rollen zu erleben sowie als Erzähler.

Jost von Harleßem, auch durch seine Zusammenarbeit mit dem Theaterkollektiv Fux bekannt, hat den Text Vernes fragmentiert, auf Variation und Wortmelodie abgeklopft. Mit dem abstrahierten Sprachmaterial treten die Musiker Christian Keul (Piano, Bass), Andreas Jamin (Posaune) und Joe Bonica (Schlagzeug) in einen improvisierten Dialog. Das Bühnenbild hat Katharina Sendfeld in Anspielung auf einen viktorianischen Salon und die Kapsel der Raumfahrer entworfen. Auch die von ihr entworfenen Kostüme im viktorianischen Stil scheinen alles andere als zweckmäßig für die absurde Reise.

 

Karola Schepp, 13.04.2018, Gießener Allgemeine Zeitung

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